| Fahrschulen auf dem Prüfstand Möglichst billig, möglichst schnell - das sind in der Regel die Kriterien, nach denen junge Menschen eine Fahrschule auswählen. Wer sich dabei blind auf die Angaben verlässt und diese nicht überprüft, erlebt aber nicht selten bei der Gesamtrechnung sein blaues Wunder. Hinzu kommt, dass eine schlechte Ausbildung womöglich vermeidbare Unfälle zur Folge haben kann - bei denen ein kostspieliger Blechschaden noch das harmloseste Ergebnis ist. «Zum großen Teil erfolgt die Wahl einer Fahrschule über Mundpropaganda», sagt Franz Schibalski vom ADAC in München. Doch die Umfragen im Bekanntenkreis können nur ein Baustein bei der Auswahl sein. Wichtig sei es, Fahrschulen vor Ort zu vergleichen, so der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. «Dabei sollte man sich ungeniert bei mehreren Fahrschulen erkundigen», sagt Peter Glowalla von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Eine seriöse Fahrschule wird schon telefonisch alle gewünschten Auskünfte geben. Ein Besuch vor Ort kann weiteren Aufschluss geben. Dabei lässt sich festellen, ob es sich um einen gepflegten Betrieb handelt, ob mit modernen Mitteln gelehrt wird oder welchen Eindruck die Fahrzeuge machen. Wichtig ist, sich zu erkundigen, ob die Bürozeiten den eigenen Bedürfnissen entsprechen und wie oft der theoretische Unterricht angeboten wird. Laut Glowalla bieten viele Fahrschulen vor Vertragsabschluss einen Schnupperbesuch beim theoretischen Unterricht. Hier lässt sich von anderen Fahrschülern direkt erfahren, welchen Eindruck diese von der Ausbildung haben. Weiteren Einblick gibt die Beobachtung der Fahrschüler nach ihren Fahrstunden. «Dann kann man sehen, ob der Fahrlehrer seine Schüler freundlich verabschiedet, ob die Schüler gestresst oder eher fröhlich von der Tour zurückkehren», sagt Glowalla. Auf die Kosten ist natürlich auch zu achten. Dabei gilt es, wirklich alles zu erfassen, was ins Geld geht. Zudem sind einzelne Posten je nach Region und Anbieter unterschiedlich. Die Grundgebühr kostet zum Beispiel laut ACE in Großstädten im Schnitt 250 Mark, während es auf dem Land 390 Mark sind. Der ADAC weist darauf hin, dass ein niedriger Grundbetrag häufig ein überhöhtes Entgelt für die Vorstellung zur Prüfung verschleiern soll. Dazu kommen durchschnittlich 60 bis 70 Mark für das Lehrmaterial, Fahrstunden werden in Städten in etwa mit 45 Mark berechnet, auf dem Land mit 50 Mark. Teurer sind die vorgeschriebenen Sonderfahrten, zum Beispiel auf der Autobahn. Hier muss in der Stadt mit 60 Mark gerechnet werden, auf dem Land mit 70 Mark. Und es kommt natürlich nicht nur auf die einzelnen Stunden an, sondern darauf, wie viele es am Ende werden. Laut ACE sagt die Statistik, dass junge Männer im Schnitt 29, junge Frauen 33 Stunden benötigen. Nicht zu vergessen sind weitere Gebühren: für die Verkehrsbehörden, den Erste-Hilfe-Kurs, den Sehtest sowie die Prüfung an sich. Nicht ganz einig sind sich die Experten über den Erkenntniswert der Quote durchgefallener Prüflinge. So rät der ACE, danach zu fragen, wie hoch die Quote derer ist, die im ersten Anlauf bestanden haben - im Bundesdurchschnitt liege sie bei 77,3 Prozent. Auch nach der Zahl der durchschnittlichen Fahrstunden solle gefragt werden. Peter Glowalla rät jedoch, diese Angaben kritisch zu prüfen. So gebe es bei den Lastwagen-Führerscheinen wegen der vorherigen Fahrerfahrung im Pkw meist eine höhere Erfolgsquote. Bezieht der Fahrlehrer dies in seine Durchschnittsberechnung ein, gibt es ein besseres Bild. Insgesamt steht die Frage nach Preisen laut dem BdF nicht einmal an erster Stelle der Auswahlkriterien. Vielmehr legen Prüflinge vor allem auf die Freundlichkeit des Personals, die Erreichbarkeit des Büros und die Pünktlichkeit wert. Wer seine Entscheidung jedoch bereut, kann in der Regel unproblematisch den Vetrag mit der Fahrschule kündigen und zu einer anderen wechseln. Die bisherige Schule ist verpflichtet, eine Bescheinigung über bereits absolvierte Unterrichtseinheiten auszustellen. Womöglich muss aber der Grundbetrag ganz oder teilweise noch einmal entrichtet werden. Bei den bis zur Prüfung anfallenden Gesamtkosten ist das aber ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der ACE hat errechnet, dass der Aufwand je nach Region (Stadt/Land) im Schnitt zwischen 2 397 und 3 277 Mark liegt. |